Sankt Olavsweg – Teil 4 – Viele Begegnungen

Eine Begegnung mit Gottes Sohn

Nachdem ich heute erst um 8 Uhr aufgestanden bin, packe ich meine Sachen zusammen und begebe mich, da es schon wieder regnet und nass ist, auf der Hauptstraße E14 entlang Richtung Åre. Nach kurzer Zeit hält allerdings ein Wagen an und ein junger Mann steigt aus. Er fragt mich ob ich ein Stück mitgenommen werden möchte. Ich stimme zu und schraube den Wagen etwas auseinander, sodass dieser in den Kofferraum passt. Anschließend fahren wir bis nach Duved und er erzählt mir, dass er nur zu Besuch in Schweden ist und heute noch nach Norwegen möchte.

Als wir in Duved ankommen und die Sachen ausladen, stelle ich mit Erschrecken fest, dass ich die Schrauben für den Wagen an dem Parkplatz vergessen habe, wo er mich aufgesammelt hatte. Oh nein! Ich packe noch die restlichen Sachen aus, als sich mein Fahrer schon zu Fuß auf den Weg in ein Geschäft in der Nähe macht und 2 Minuten später mit Schrauben in der Hand zu mir kommt und mich fragt ob die okay seien. Nein, leider nicht. Ich benötige Schrauben mit Schnellspanner.
Ich sage ihm, dass er fahren kann und ich schon irgendwie zurück trampe und meine Schrauben hole. Aber er winkt ab. Ich soll auf ihn warten, er fährt noch mal alleine zurück. Unterdessen hänge ich im kleinen Stadtpark direkt neben der Tankstelle meine Sachen zum Trocknen in der Sonne auf.
Als er 20 Minuten später zurückkommt möchte ich ihm 60 Kronen geben, er möchte aber maximal nur 40 haben. Wow! Danach setzen wir uns noch in den Park und irgendwann fragt er mich, ob er mir ein Gebet sprechen darf. Ja, sehr gerne! Anschließend unterhalten wir uns noch über Gott und die Welt bis er sich schließlich verabschiedet und ich mich in Duved auf die Suche nach einem Supermarkt mache.

In Duved hat man als Wanderer die letzte Möglichkeit, vor der Grenze nach Norwegen einzukaufen. Die Lebensmittel für ca. 3 Tage kaufe ich im Coop Markt ein, wo ich auch meine restlichen schwedischen Kronen gegen soviel süßes Gebäck tausche, dass es mir später noch Bauchschmerzen bereiten wird. Naja, ausgehungert und dann diese leckeren Stücke dort … was will man machen.

Bevor ich Duved verlasse, besuche ich die im Ort stehende Kirche im neugotischen Stil und mache in paar Fotos. Anschließend geht es dann noch insgesamt 17 Kilometer entlang einer Schotterpiste (die mittlerweile schon zu einer Teerstraße ausgebaut wurde) bis ich wieder einmal das Zelt aufbaue, meinen Kocher mit Holz befeuere und mir ein leckeres Abendmahl zubereite.
YouTube: Pilgern auf dem Olavsweg in Schweden – Eine Begegnung mit Gottes Sohn

Und noch eine sehr nette Begegnung

Die Nacht ist sehr ruhig und  es fahren insgesamt nur 3-4 Autos vorbei. Als ich am Morgen das Zelt aufmache, kommt mir Nebel entgegen, der sich nach dem Frühstück allerdings verzogen hat und ich kann mein von der Sonne getrocknetes Zelt einpacken. Bevor es los geht, koche ich mir noch etwas Reis zum Mittag und dann bin ich auch schon wieder auf der Staubpiste … und echt froh um meinen Mundschutz, denn die Autos wirbeln ständig Staub auf!

Der Weg ist auf der kilometerlangen Piste sehr eintönig. Naja, zumindest entschädigt die Aussicht teilweise. Gegen 15 Uhr koche ich mir noch einmal Nudeln am Straßenrand in einer Haltebucht. Nach kurzer Pause geht es weiter und ich erreiche Medstugan, wo es auch eine Herberge/Hostel gibt. Bei mir geht es allerdings noch weiter.

Auf dem Weg Richtung Skalstugan kommt mir eine Fahrradfahrerin entgegen und grüßt mich. Nach ca. 10 Minuten kommt sie noch mal zurück und fragt, wo ich denn herkomme und wohin ich möchte. Was für eine liebreizende Person. Dann fährt sie leider wieder. Sie meinte, dass sie in einem Hotel arbeitet. Ich kenne hier zwar keins, aber als ich mein Zelt kurz vor Skalstugan aufschlage, was etwas abseits des Weges liegt, wird mir bewusst, dass dies wohl auch ein Hotel sein muss. Ha, Super! vielleicht sehe ich sie ja noch mal wieder.
YouTube: Olavsweg Tag 18 – Wandern auf der Staubpiste nach Norwegen!

Ich befinde mich nun wieder abseits der Straße auf dem Gamla vägen, dem ursprünglichen Pilgerweg, der über schöne Wanderwege bis über die Grenze nach Norwegen führt.

Am nächsten Morgen packe ich mein recht trockenes Zelt zusammen, will gerade los gehen, da hält ein Auto neben mir. Im Auto sitzen eine ältere Frau und eine jüngere. Die ältere Frau fragt mich, ob ich nicht einen Kaffee möchte. Ja klar gerne doch!

Dann komm da vorne zu den Häusern … Okay!

Als ich bei den Häusern ankomme werde ich schon erwartet. Drinnen setze ich mich zu den anderen an den Tisch und treffe auch die Fahrradfahrerin wieder.
Ich unterhalte mich mit allen und werde nach kurzer Zeit gefragt ob ich nicht auch frühstücken möchte! Och ja, gerne doch! Dann müsse ich aber eine Stunde warten. Dem stimme ich zu.

Man führt mich in einen Aufenthaltsraum und ich erfahre, dass ich heute der einzigste Gast bin. Eine Gruppe kommt erst den darauf folgenden Tag. Das Hotel ist echt wunderschön und erinnert an ein altes Herrenhaus. Ich nehme ein paar Videos auf, und genieße die Aussicht, bis es Frühstücksbuffet gibt.
Wir unterhalten uns alle sehr intensiv und der Ehemann von der Chefin bietet mir noch etwas roh mariniertes Rentier an.

Irgendwann macht die Chefin, die uns gegenüber sitzt einfach mit dem Handy ein Foto von mir. Wieder einmal bin ich so froh, so nette Menschen getroffen zu haben und könnte noch Tage bleiben. Als ich mich auf den Weg mache gibt es sogar noch ein Gruppenfoto! Das wird mir wie so vieles auf Ewig in Erinnerung bleiben.

Die Natur auf dem Gamal vägen ist einfach wunderschön! Außerdem begegne ich einem Rentier!
Nach einer Weile auf dem Weg verzieht sich der morgendliche Nebel und die Sonne kommt raus .Ich komme an einem wilden Bach vorbei an dem es auch eine Schutzhütte gibt. Gegen Mittag mache ich eine Pause an einem flachen Fluss, wo ich mich auch gleich mal etwas waschen kann. Natürlich ohne irgendwelche künstlichen Stoffe, wie immer!

Ein schöner Steinhaufen markiert die Grenze. Als ich die Grenze überquere ziehen wieder dunkle Wolken auf, die Nieselregen bringen. Es lassen sich noch zwei weitere Rentiere blicken. Nach der Grenze merkt man recht bald, dass man sich in Norwegen befindet. Die Wege werden wesentlich steiler und es ist nicht mehr so schön weitläufig wie in Schweden. Auf norwegischer Seite gibt es gleich 3 Schutzhütten und eine Feuerstelle, wo man bestimmt auch gut übernachten kann. Perfekt um eine kleine Pause zu machen.

Als ich wieder im Tal ankomme, möchte ich weiter durch den Wald gehen anstatt die Fahrrad-Route entlang der Straße zu nehmen. Ich habe gerade ein Wildgatter geschlossen, da fängt es wie aus Strömen an zu regnen und ich muss doch die Straße nehmen, da der steile Weg am Hang so matschig ist, dass ich nur noch wegrutsche. Einfach unpassierbar! Nach einer Weile stoße ich dann wieder zurück auf den ursprünglichen Weg. Bald darauf folgt ein Schild: Vuku 27 km. Okay, dann gehe ich noch 7 Kilometer und schaffe es am nächsten Tag sicher bis nach Vuku.

Es sind dann zwar doch nur noch 6 Kilometer bis das Zelt steht, aber dafür ist der Platz schön. Da ich seit der Grenze leider kein Internet mehr habe, spiele ich mit dem Gedanken mir doch eine SIM Karte in Norwegen zu holen. Nun aber erstmal schlafen.
YouTube: Gamla vägen – Über die Grenze nach Norwegen – Olavsweg Tag 19

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