Sankt Olavsweg – Teil 2 – Gastfreundschaft beim Pilgern

Auf dem Weg nach Revsund

Die Nacht an meine Zeltplatz war sehr schön. Gegen Abend haben sich noch ein paar Angler gezeigt, die mit Fliegen gefischt haben, das nennt sich „Fliegenfischen“.
Heute Morgen geht es direkt weiter, immer wieder am Wasser entlang bis ich nach einiger Zeit eine Bucht erreiche. Das Schöne an dem Weg ist auch, dass es immer wieder Schilder gibt, die einem etwas zur Geschichte und der Herkunft verschiedener Namen oder Bezeichnungen erzählen. In dieser Bucht wurde jemand, der das Christentum ins Land bringen wollte, auf eine Insel verbannt. Er schwamm zurück ans Ufer des Festlandes, wo er anschließend ermordet wurde. So hat die Bucht ihren Namen erhalten. An anderer Stelle wird mir über ein Wikingergrab berichtet, was 1982 gefunden wurde.

Das Wetter ist heute angenehm, es gibt viele Himbeersträucher mit Beeren, schöne Häuser entlang des Weges und nach kurzer Zeit erreiche ich schon mein erstes Ziel für heute, den Ort Stavre. Weiter geht’s Richtung Gällö, wo ich meine Lebensmittel aufstocke. Anschließend finde ich eine größere freie Fläche im Wald neben dem Schotterweg. Dort schlage ich mein Zelt auf. Ich bin nun kurz vor Revsund und habe eine Strecke von 22,8 Kilometern zurückgelegt.

 

Revsunds Prästgård

Nach dem Aufstehen entdecke ich, direkt als ich den Wald verlasse, ein Schild mit „Free coffee & wifi for pilgrims“ vom Revsund Prästgard, einer Pilgerherberge, die, wie ich feststelle, sehr sehr einladend ist. Ich benutze die Klingel im Eingangsbereich und werde in den ersten Stock gebeten, wo sich ein wunderschöner Raum mit langer Frühstückstafel befindet. Mir wird immer wieder leckerer Kaffee angeboten, den ich gerne annehme. Nach langem Erzählen nutze ich noch den Strom um meinen Laptop zu laden, ein Video zu schneiden und dieses anschließend über die blitzschnelle Internetleitung auf YouTube zu stellen.

In der Herberge gibt es Mehrbett-, Einzelzimmer und einen Gruppenschlafplatz. Außerdem erfahre ich, dass ich auch mit dem Zelt einfach im Garten hätte schlafen können. Super!
Wer einen Tag Rast machen möchte und schwedische Idylle sucht ist hier genau richtig. Alle Lebensmittel sind außerdem „Okologisk“.
Da ich im Revsund Prästgard Wifi und Strom ausgiebig nutze verbringe ich damit den Tag bis Mittag und komme somit erst spät los.

 

Gastfreundschaft die von Herzen kommt

Nach dem kleinen Ort geht es eine längere Zeit an einem Hang entlang, was sich ins besondere mit meinem Anhänger als sehr schweißtreibend und umständlich herausstellt. Für Pilger die ein Fahrrad nutzen gibt es, wie in ein paar anderen Fällen auch, einen anderen Weg. Etwas später führen beide Wege dann wieder zusammen. Später nutze ich noch die Nähe zum Wasser und gehe kurz baden.

Mitten auf dem Weg befindet sich eine kleine Höhle, die ich erkunden möchte. Ich entschließe mich allerdings recht schnell nicht weiter hinein zu gehen, weil sie zu schmal wird. Ein Schild verrät mir wieder einmal etwas zur Geschichte über diesen Ort:

Die kleine Höhle ist ca. 11 Meter lang und wurde um das Jahr 1420 von einem Mann bewohnt der Salve Sverkersson hies und als Gesetzloser bezeichnet wurde. Er wurde beschuldigt Jan Björnsson von Förbeg getötet zu haben. Es gab zwischen ihnen einen Streit ums Jagen und Angeln. Später wurde er vom ersten König der nordischen Kalmar Union begnadigt.

Im Jahr 1974 wurde ein verzierter Krug mit altdeutschen Inschriften aus dem Jahre 1580 in der Höhle gefunden, welcher aus Roaren, in Belgien stammt.

 

Gegen Abend bin ich auf der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Ich laufe in den Abend hinein und begegne einer Gruppe Einheimischer die vor einem Schuppen sitzen und feiern. Ich werde herbei gewunken, soll mich setzen und mir wird Kaffee und Alkohol angeboten, außerdem kleine Snacks. Kurzerhand werde ich eingeladen die Nacht in einem Gästehaus zu verbringen. Wow!

Ich begleite eine Einheimische nach Hause, ihr Mann bleibt noch etwas. Zuhause angekommen werden mir erst mal Eier gebraten, ich bekomme Lachs mit Dill vorgesetzt und andere verschiedene lokale und biologische Produkte der Region (ich esse zwar größtenteils vegan, mache aber Ausnahmen, wie z.B. heute).
Ich kann es echt nicht fassen und bin unheimlich glücklich über die Begegnung. Danach wird mir mein eigenes Gästehaus gezeigt wo ich die Nacht verbringen kann. Mit Strom & Heizung. WOW!
YouTube: Pilgern auf dem Olavsweg in Schweden – Revsund & Gastfreundschaft der Schweden

Auf dem Weg nach Östersund

Am nächsten Morgen geht es mit einem ausgiebigen Frühstück weiter und schon nach kurzer Zeit könnte ich ein Nickerchen vertragen. Puh, viel gegessen! Bei so einer Frühstücksauswahl kann ich einfach nicht nein sagen. Und so verschlägt es mich schon bald wieder auf eine Bank, die mich vor etwas Regen schützt und auf der ich eine etwas längere Pause mache.

Normalerweise verzichte ich auf Zucker, hier habe ich allerdings mal eine Ausnahme gemacht. Besonders hervorheben möchte ich das Tunnbröd, welches ein sehr dünnes Brot ist, das je nach Region aus unterschiedlichem Mehl zubereitet wird. Noch viel besser war allerdings die Moltbeeren-Marmelade! Eine unheimlich leckere Marmelade, die an Bitter-Orangen-Marmelade erinnert. Die Beeren möchte ich unbedingt mal roh probieren!

Ein paar Kilometer vor Östersund verbringe ich eine Nacht auf einem Feld nahe der Bahntrasse mit zahlreichen Johannisbeersträuchern!
YouTube: Pilgern auf dem Olavsweg in Schweden – Mit Frühstück und Verpflegung Richtung Östersund

Bevor ich heute „die große Stadt“ Östersund erreiche, geht es noch eine Weile am Ufer des Storsjön entlang, der teilweise schöne Steinstrände zum verweilen bietet.

Schon von weitem kann man die Brücke sehen, die von der Insel Frösön über den Strosjön führt. Der See ist mit einer Uferlänge von 439 der fünft größte See Schwedens. Auf dem Weg in die Innenstadt kommt man direkt bei der Stora Kyrka vorbei. Stora heißt übersetzt „groß/e“ und kyrka „Kirche“. Diese ist auf jeden Fall einen Besuch wert, sowohl von vom inneren als auch vom äußeren Erscheinungsbild. Außerdem gibt es in der Kirche einen Pilgerstempel.

Wer mag, kann sich in ein oder zwei Tagen die Stadt etwas genauer anschauen und eine kleine Pause machen. Für mich allerdings geht es direkt weiter Richtung Hafen und anschließend auf die Halbinsel Frösön, die fast ein Jahrtausend Mittelpunkt vom Jämtland war. In der Stadt fallen mir nach so viel Natur besonders die ganzen Abgase der Autos auf und ich bin froh, als ich wieder etwas aus dem dichten Verkehr raus bin. In einem Supermarkt kaufe ich noch kurz etwas ein und werde anschließend von einer Frau auf einem Fahrrad angesprochen. Sie fragt mich ob Sie ein Foto von mir für Facebook machen kann. Ich stimme zu. Danach geht die Reise weiter durch Wälder und Hügel. Ich gehe und gehe und erreiche am Abend einen Steinstrand des Storsjön Sees, an dem ich mein Zelt errichte.

Zum Nudeln kochen bin ich heute zu kaputt. Es gibt einen Salat mit Möhrchen und roter Beete. Mitten in der Nacht wache ich auf und kann einen wundervollen Sternenhimmel erblicken.
YouTube: Pilgern auf dem Olavsweg in Schweden – Östersund & Frösön – Zelten am Strand

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