Olavsweg Teil 10 – Heimfahrt mit nicht geplanter Übernachtung

17 Uhr
Nachdem die Fähre vom Fähranleger in Larvik abgelegt hat, mache ich mich gleich daran eine Mitfahrgelegenheit zu suchen. Ich gehe mehrmals durch das komplette Schiff und halte mein Schild hoch. Nix. Leider niemand der mich bis nach Deutschland mitnehmen kann. Ich treffe nur einen Dänen der nach Norwegen ausgewandert ist, mit dem ich mich nun in Deutsch unterhalte. Er bietet mir an, mich mit in einen Ort in der Nähe zu nehmen. Da ich dort allerdings meiner Meinung nach noch weniger Chancen habe, nach Deutschland zu kommen, lehne ich ab.

 

21 Uhr
Nachdem die Fähre um kurz nach 21 Uhr angelegt hat, stelle ich mich mit dem Schild, um „I’ll pay“ ergänzt, noch mal an die Ausfahrt und versuche mein Glück. Aber auch ein paar Euroscheine in der Hand helfen nicht weiter und so mache ich mich auf den Weg ins Stadtzentrum von Hirtshals. Dort angekommen geht es als erstes zum Supermarkt und ich kaufe mir 6 Bioäpfel für 2 Euro – wow, solche Preise, unglaublich – und esse erstmal 5 davon. Weiter geht es zum Bahnhof, wo auch noch der Automat kaputt ist, sodass ich kostenlos bis in den nächsten Ort, nach Hjørring fahre. Wie auch schon im vorherigen Bahnhof, versuche ich über den Automaten ein Ticket bis nach Braunschweig zu buchen, was einfach unmöglich ist. Also kaufe ich mir nur eins bis direkt nach der Grenze.

 

23 Uhr
Es ist mittlerweile nach 23 Uhr und ich brauche einen Schlafplatz. Es gibt am Bahnhof zwar beheizte Glashäuser (der Bahnhof öffnet erst um 3 Uhr), aber in diesen Häusern sitzen Obdachlose, die nicht gerade freundlich wirken und etwas Angst um meine ganzen Sachen habe ich auch, wenn ich dort einfach einschlafe. Am Bahnhof gibt es sehr langsames Internet, mit dem ich versuche noch einen Couchsurfing Platz zu finden, was aber auch nicht klappt.

Direkt am Bahnhof gibt es Wohnhäuser… na mal in die Richtung gehen. Auf meinem Weg begegne ich einer Frau und frage sie, ob ich in ihrem Garten mein Zelt aufstellen kann. Sie sagt, dass es nicht ihr Garten sei und dass dieser ihrem Vermieter gehöre. Sie kann es mir also leider nicht sagen. Egal, weiter geht’s.
Irgendwann ist links von mir eine Hochschule mit Wlan! Juchuu! Nachdem das Wlan am Bahnhof irgendwann nicht mehr ging, nutze ich nun dieses zwar sehr langsame, aber funktionierende Wlan, um (auch mit mehrmaligen Verbindungsabbrüchen) ein Ticket mit der Bahn App von der Grenze nach Braunschweig zu kaufen. Ich kann mein Glück nicht fassen, als ich tatsächlich ein Ticket für 23 € finde. Wow so etwas gibt es echt selten.

Nun nur noch einen Schlafplatz finden.

 

01 Uhr
Ich gehe in den Innenhof der Kunsthochschule und finde eine Sitzbank, die von 3 Seiten mit Hecken umrundet ist. Naja das ist zwar nicht perfekt, aber besser als nichts und so schlafe ich im Sitzen und meine Sachen fest umschlossen und an mich gedrückt auf dem Kies neben der Bank ein paar Stunden. Um kurz vor 3 Uhr werde ich wach und mache mich wieder auf den Weg zum Bahnhof. Genau in dem Moment als ich am Bahnhof ankomme, fängt es an wie aus Strömen zu regnen und das Einzige was man noch hört ist der Regen und laute Party Musik – Highway to Hell – aus der Nachbarschaft. Dann öffnet irgendwann der Bahnhof. Andere Frühaufsteher kommen. Im Morgengrauen fährt mein Zug los und ich bin froh.

 

15 Uhr
Mit drei Mal umsteigen komme ich am Nachmittag und bei super warmem Sommerwetter in Braunschweig an. Dabei war es vor 36 Stunden in Trondheim bei ein paar Grad und Nieselregen echt kalt!